Auto + Handy = Hauptunfallursache

Auto + Handy = Hauptunfallursache

Ablenkung durch moderne Medien im Fahrzeug ist in den vergangenen Jahren immer wieder als Hauptursache für tödliche Unfälle auf Österreichs Straßen detektiert worden – noch weit vor überhöhter Geschwindigkeit. Dass die fortschreitende Digitalisierung aber nicht nur ein nationales Problem ist, sondern zu einer weltumspannenden Angelegenheit herangewachsen ist, lässt EU-Kommissar Günther Öttinger in Bezug zur digitalen Mobilität auf schnelle politische Entscheidungen hoffen.

Doch nicht nur der Gesetzgeber ist gefordert, die rechtlichen Rahmenbedingungen für eine gefahrlose Fortbewegung in der schönen neuen Welt der „digital Natives“ zu schaffen. Auch die Automobilhersteller und deren Zulieferer stehen vor echten Herausforderungen, um mit der IT-Welt zusammenzurücken und gemeinsam Standards zu entwickeln, die eine sichere Fahrzeug-Bedienung und -Nutzung ermöglichen.

Eines dieser Unternehmen ist die AUDIO MOBIL mit Sitz im oberösterreichischen Ranshofen. Hier beschäftigt man sich seit über 27 Jahren mit genau diesen Themen und betreibt gemeinsam mit der Universität Salzburg unter der wissenschaftlichen Leitung von Professor Dr. Manfred Tscheligi seit sieben Jahren eine entsprechende Grundlagenforschung. Die Erkenntnisse daraus wurden in einem Sammelband zusammengefasst und stellen die Grundlage für eine nutzerfreundliche Bedienung innerhalb von Fahrzeugen dar.

Thomas Stottan, CEO der AUDIO MOBIL, über die aus seiner Sicht notwendigen Maßnahmen für die Zukunft: „Wir wissen seit Beginn der durchgeführten Studienreihen, dass es teils erhebliche Ablenkungspotenziale bei modernen Fahrzeugsystemen gibt. Eine der zahlreichen Erkenntnisse ist, dass Ablenkung beim Fahren durch beispielsweise ein Smartphone sich noch negativer auf die Fahraufgabe auswirkt, als in der Vergangenheit Alkohol- oder Drogeneinfluss. Exemplarisches Ergebnis bei der Eingabe eines Navigationsziels: Die Gesamtblickdauer weg von der Straße sollte bei einer empfohlen Zielvorgabe (National Highway Traffic Safety Administration, kurz NHTSA) 12 Sekunden nicht überdauern. In Realtests wurden hier bei verschiedenen gängigen Fahrzeugen Werte von bis zu 78 Sekunden Gesamtblickdauer gemessen. Das entspricht einem mentalen „Blindflug“ von etwa 2,8 Kilometern bei Autobahntempo 130 km/h!

Technologien müssen daher für menschliche Bedürfnisse so gestaltet werden, dass Sie intuitiv und ohne viel nachzudenken verwendbar sind – oder erst dann verwendbar sind, wenn das Fahrzeug parkt und sich nicht am aktiven Verkehrsgeschehen beteiligt.“

Auf die Frage, wie man Bediensysteme sicherer gestalten kann, um das Ablenkungsrisiko zu minimieren, meint Stottan weiter, „dass es eine Symbiose an verschiedenen Interaktionsmöglichkeiten zum richtigen Zeitpunkt sein wird müssen, um dieses Thema nachhaltig risikofrei gestalten zu können. Angesichts des dringenden Handlungsbedarfs wäre es zudem wünschenswert, eine entsprechende Testumgebung unter Einbeziehung von öffentlichen Straßen zur Betrachtung dieses Kontexts im Hinblick auf teil- und vollautomatisiertes Fahren zu realisieren“ richtet Stottan einen Appell an die öffentliche Hand und meint weiter „dass Standards geschaffen werden sollen, die sich letztlich an den Menschen orientieren und nicht an der Technik“.

Österreich hat hier – wie in vielen Belangen rund um das Thema Mobilität – eine Vorreiter-Rolle eingenommen, die auch von unseren deutschen Nachbarn mit großem Interesse verfolgt wird. So ist bereits unter dem früheren Verkehrsminister Alois Stöger mit der CIS-Initiative (Car Interactive Safety) eine Plattform gegründet worden, in der neueste wissenschaftliche Erkenntnisse zum Thema Ablenkung beim Fahren interdisziplinär zwischen Politik, Wissenschaft und Industrie diskutiert und unmittelbar an Lösungen und Verbesserungen gearbeitet wird.

Noch ein Sidekick zum Thema Deutschland: Der deutsche Verkehrsgerichtstag in Goslar – ein Zusammentreffen ausschlaggebender Entscheidungsträger in rechtlichen Fragestellungen und erheblich für eine daraus folgende Gesetzgebung im europäischen Raum - hat im heurigen Jahr die „Ablenkung“ thematisch am stärksten priorisiert und hierfür einen eigenen Arbeitskreis installiert. Kern der daraus ableitbaren Empfehlung – an der auch Thomas Stottan mitgewirkt hat - ist, dass Techniken und Funktionen, die eine Ablenkung fördern würden, im Auto situativ unterdrückt werden sollen. Sicherlich ein erster wichtiger Schritt, Smartphones und Mobile Devices betriebssicher in Fahrzeuge zu integrieren.

Unser Land gilt zu Recht im Schulterschluss mit weiteren technologischen Vorzeigestaaten als Pionier in Sachen Digitalisierung und Lösungen rund um alle damit in Verbindung zu bringenden Fragestellungen. Diese Rolle wird Österreich hoffentlich zu untermauern wissen.

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